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Light and heavy, a report on a built vision of Brazilian modernity

  • Year: 2013
  • Type: Essay
  • You have to invent architecture according to your vision of the world. That’s Artigas, sagte Paulo Mendes da Rocha in einem Gespräch. Für Vilanova Artigas sollte die Architekturfakultät in Sao Paulo eine politische und gesellschaftliche Haltung verkörpern und auf diese Weise die Gesellschaft prägen. Mit seinem Entwurf gelang Artigas die kaum zu übertreffende Umsetzung seiner architektonischen, sozialen und politischen Ideale. Später bezeichnete er das Gebäude selbst als Verräumlichung der Demokratie. Der Entwurf der Fakultät für Architektur und Städtebau von Sao Paulo geht auf das Jahr 1961 zurück. Eine Zeit produktiver architektonischer Entwicklung Artigas und der Escola Paulista. Erstmals konnte er grosse und öffentliche Bauten verwirklichen. Es war dabei sein erklärtes Ziel einer ganzheitlichen Beschäftigung mit allen Gestaltungsfragen der Umwelt und Gesellschaft, weit über den Gebäudeentwurf hinaus. Der Gedanke des Austausches universitärer Disziplinen und dessen Forschung war der Auslöser für die Planung der Universitätsstadt ausserhalb des Stadtzentrums von Sao Paulo, wo sich die FAU befindet. Allerdings steht die FAU alleine da. Die unmittelbar geplanten Nachbargebäude wurden in der Folge der Militärdiktatur nie gebaut. Angst vor politischem Widerstand und Aktivitäten der studentischen Vereinigungen waren der Grund, weshalb die FAU heute als isolierter Baukörper in einer weitläufigen Parklandschaft liegt. Dieser Umstand entspricht leider nicht dem eigentlichen Gedanken der Gemeinschaft und Demokratie. So zumindest ist der Eindruck von aussen. Die Universitätsstadt erinnert vielmehr an eine Gartenstadt, bei der die Gebäude weit voneinander entfernt liegen. Ganz im Sinne früher Modernisten, die dieses Modell als Reaktion auf die schlechten Wohn- und Lebensverhältnisse dichter Stadtstrukturen entworfen hatten. Zwar entspricht diese Situation nicht der Intention des Architekten, nach Austausch und Dichte universitärem Leben, dennoch erfährt der Besucher eine Entspanntheit, welche die Stadt Sao Paulo heute vielerorts nicht bieten kann. Der Universitätscampus ist eine städtische Oase vergleichbar mit den grossen Stadtparks, wie dem von Roberto Burle Marx (1909-1994) und Otavio Teixeira Mendes (1907-1988) entworfenen Parque do Ibirapuera im Zentrum Sao Paulos. Entgegen den Gebäuden von Oskar Niemeyer für den Park von Ibirapuera fügt sich die FAU aber nicht sanft und der Vegetation folgend in die Landschaft ein, sondern steht in klarem Kontrast zu dieser. Eine massive und rechteckige Form steht als Fremdkörper im Park. Die Verbindung von Architektur und Landschaft ist erst in der Beziehung der Topografie und den fast landschaftlichen räumlichen Eigenschaften im Innern zu finden, und nicht in der formalen Gestalt. Diese Haltung ist nachvollziehbar und für den Entwurf massgebend. Die formale Strenge der Fakultät scheint die richtige Antwort jener Zeit zu sein, hebt sie sich doch deutlich von ihren Vorgängern der Escola Carioca ab. Und so strahlt die FAU gerade wegen ihrer starken Form und Reduziertheit, eine Unaufgeregtheit und Erwachsenheit aus. Dabei entspringt sie einer rein akademischen und ideologischen Haltung, hat also wenig mit einer rücksichtvollen und auf den Kontext bezogenen Gestaltung zu tun. Eine solche theorielastige Antwort auf den Kontext ist nicht unproblematisch. Hinsichtlich der Nutzung als Architekturfakultät aber sehr wohl richtig. Handelt es sich doch um ein Werk für Fortgeschrittene, das die Lust am Lesen und Verstehen fördert!